Anlageberatung vom Bankberater: Gut oder schlecht?

Leider kennen sich viele Anleger beim Thema Geldanlage überhaupt nicht aus und sind unsicher. Die Gründe dafür sind vielfältig (Schuld ist in meine Augen unter anderem eine oftmals stiefmütterliche Behandlung von Finanzthemen in der Schule).

Jedenfalls führen diese Umstände dazu, dass immer noch zahlreiche Menschen für eine Anlageberatung zu einem Bankberater um die Ecke gehen, um sich dort über Anlagemöglichkeiten beraten zu lassen. Aber wird man dort gut beraten? Diese Frage habe ich meinen Newsletter-Lesern gestellt und das Ergebnis ist eindeutig: Circa 80% der Umfrageteilnehmer haben mit Bankberatern eher schlechte Erfahrungen gemacht. Auch im Internet gibt es viele kritische Stimmen und Artikel zu Bankberatern (etwa auf stern.de, faz.net, test.de oder spiegel.de).

Seit der Finanzkrise haben Bankberater einiges an Vertrauen bei vielen Anlegern verspielt

Vor allem im Zuge der Finanzkrise hat sich das Bild der Bankberater deutlich verschlechtert. Zum Beispiel wurden viele Anleger zum Kauf von Zertifikaten der späteren Pleite-Bank Lehman Brothers verleitet. Einige Investoren erlitten auch starke Verluste mit Griechenland-Anleihen, die ihnen von Banken empfohlen wurden und nach der Eurokrise einbrachen.

Nun ist das schon einige Jahre her. Aber wie es scheint, hat sich der schlechte Ruf kaum gebessert. Nicht nur meine Newsletter-Umfrage macht das deutlich. Ich bekomme auch ab und zu Mails und Kommentare von Lesern, die sich kritisch zu ihren Bank-Anlageberatern äußern, zum Beispiel vor ein paar Wochen wieder (siehe Kommentar hier vom 19. Februar 2016 ganz unten).

Der schlechte Ruf ist bei so manchem Anleger bestimmt auch der Grund dafür, dass die Ersparnisse einfach auf einem Giro- oder Sparkonto geparkt anstatt vernünftig angelegt werden. Nach dem Motto: Besser mickrige Zinsen statt das Geld in Finanzprodukte anzulegen, die ich nicht kenne und eventuell das Geld verliere. Das ist schade und sicherlich keine gute Lösung, da unser Geld im Laufe der Jahre immer weniger Wert wird (jeder hat bestimmt gemerkt, dass viele Dinge in den letzten Jahrzehnten immer teurer geworden sind).

Die große Frage lautet:

Warum sind so Viele unzufrieden mit der Anlageberatung bei der Bank?

Ich denke, der Grund ist, dass die Anleger meist zu ihrer Hausbank gehen, um dort eine kostenlose (!) Beratung zu erhalten. Und hier liegt wohl das Hauptproblem: „Kostenlos“ und „unabhängig“ passen nicht so recht zusammen. Denn die Banken wollen natürlich in erster Linie selbst möglichst viel Geld verdienen. Und das lässt sich vor allem dadurch erreichen, indem die Bankberater oftmals vorrangig (eigene) Finanzgeschäfte vermitteln, die den Kunden hohe Gebühren kosten.

Die Rede ist von Finanzprodukten, woran die Banken besonders gut verdienen. Das könnte beispielsweise ein Aktienfonds mit einem hohen Ausgabeaufschlag (Erklärung) sein. Oder etwa Zertifikate anderer Kredithäuser, mit denen die Bank eine besonders lukrative Provision ausgehandelt hat. Bessere Anlageprodukte mit einer deutlich günstigeren Gebührenstruktur, etwa ETF-Indexfonds (Definition), werden dagegen von den Bankberatern anscheinend eher selten empfohlen.

Nun, wenn man sich mal in die Rolle der Banken reinversetzt, kann man das ein wenig nachvollziehen. Denn wenn eine Beratung für den Kunden nichts kostet, muss eben über andere Wege Geld verdient werden.

Eine Lösung wäre vielleicht, dass die Banken für eine unabhängigere Beratung Geld verlangen. Aber ob genug Leute bereit wären, dafür zu zahlen und wie so etwas umgesetzt werden könnte, das weiß ich natürlich nicht. Ich bin kein Experte und es ist auch nicht mein Problem ;-). Die Banken müssen schauen, wie sie dieses Problem lösen bzw. wie sie es schaffen, dass die Anleger wieder mehr Vertrauen zu ihren Bankberatern bekommen.

Folgendes sollte auch nicht vergessen werden: Man darf natürlich nicht alle Banken bzw. Bankberater über einen Kamm scheren. Schließlich sind einige Anleger auch mit ihren Beratern und seinen Anlageempfehlungen sehr zufrieden. Für eine gute und persönliche Beratung sind diese dann auch gerne bereit, mehr Gebühren zu bezahlen.

Aber Fakt ist, dass eben ein Großteil mit der Anlageberatung bei der Hausbank augenscheinlich nicht wirklich zufrieden ist.

Welche Alternativen zur Bankberatung gibt es bei der Kapitalanlage?

  1. Finanzwissen lernen und die eigene Geldanlage selbst in die Hand nehmen (das ist in meinen Augen die beste Lösung).
  2. Einen unabhängigen Vermögensberater suchen, den man für die Beratung bezahlt (ist aber nicht billig).
  3. Online-Anlageempfehlungen von Anlageexperten (z. B. ein seriöser Geldanlagebrief wie die Rendite-Spezialisten)

Auf diese 3 Möglichkeiten gehe ich im zweiten Teil meines Anlageberater-Specials genauer ein: