Was ist die Buy and Hold-Strategie? Lohnt sich Buy & Hold? Was sollte man beachten?

„Buy and Hold“, auf deutsch „Kaufen und halten“, ist eine beliebte Anlagestrategie.

Doch was genau ist „Buy and Hold“? Definition!

Wie der Name schon sagt geht es darum, Aktien oder andere Geldanlagen mit dem Ziel zu kaufen, diese möglichst lange ohne Verkaufsabsicht im Depot liegenzulassen, unabhängig davon wie sie sich entwickeln, um damit in mehreren Jahren oder sogar Jahrzehnten einen Gewinn zu erzielen. Oder kurz gesagt: Rendite mit Geduld erreichen, ganz nach dem Motto „Geduld zahlt sich aus“.

Im Grunde ist mit diesem bequemeren und stressfreieren Geldanlageansatz das Gegenteil vom hektischen Trading oder Daytrading gemeint, wo (meist spekulativere) Finanzwerte mit der Absicht gekauft werden, sie schnell wieder zu verkaufen und auf diese Weise Renditen zu erreichen.

Einfaches Beispiel: Anleger A kauft sich 10 Aktien großer starker Unternehmen, von denen er glaubt, dass sie in den nächsten Jahren auf lange Sicht ansteigen werden. Er möchte die Aktien daher mindestens 10 Jahre halten und in dieser Zeit nicht (bzw. nur im Notfall) verkaufen, auch wenn die Kurse zwischenzeitlich vermutlich mal zurückfallen werden. Anleger A betreibt in diesem Fall eine Buy-and-Hold-Strategie.

Ein essentieller Hintergrund der Buy&Hold-Strategie ist, dass sich laut zahlreicher Studien eine langfristige Geldanlage bei riskanteren Investitionen wie Aktien eher lohnt als ein kurzfristiger Ansatz (siehe dazu auch mein Artikel hier).

Wo wird Buy & Hold angewendet?

Vorrangig bei der Aktienanlage:

  • Buy & Hold wird etwa gerne bei der passiven Geldanlage mit Indexfonds (ETFs) betrieben
  • Beim Kauf von Einzelaktien kommt Buy & Hold ebenfalls bei vielen Anlegern zum Einsatz. Oftmals mit großen und bekannten Aktien, die etabliert sind und eine starke Marktstellung haben (insbesondere Blue-Chips wie etwa diverse DAX-Aktien). Auch bei einer langfristigen Dividendenstrategie wird zum Beispiel häufig Buy and Hold angewendet.

„Kaufen und halten“ ist aber auch bei anderen Geldanlagen möglich. Wenn man beispielsweise eine Immobile kauft und diese nie oder zumindest lange Zeit nicht wieder verkauft, wendet man prinzipiell ebenfalls Buy and Hold an. In erster Linie bezieht sich die Strategie aber auf die Aktienanlage.

5 Vorteile und 4 Nachteile der Buy-and-Hold-Strategie

Vorteile:

  • Mehrere Studien (bzw. die Kursentwicklung der Vergangenheit) hat bewiesen, dass Buy & Hold mit starken etablierten Aktien bzw. mit großen Indizes funktioniert
  • Vernünftiges Buy & Hold mit Qualitätsaktien birgt weniger Risiko als kurzfristiger Aktienhandel, da die Strategie langfristig ausgelegt ist (kurzfristiges Trading mit häufigen Käufen und Verkäufen ist riskanter, weil hier Kursschwankungen größer und unberechenbarer sind als bei einer Langfristanlage)
  • Bequemes  Investieren ohne Stress und mit weniger Zeitaufwand: Man muss nicht ständig Aktien analysieren und nur selten Käufe bzw. Verkäufe durchführen. Es ist auch nicht nötig dauernd den Markt zu beobachten usw.
  • Leicht umzusetzen (es ist weniger Wissen nötig als beim kurzfristigen Handel und dadurch auch für Einsteiger gut geeignet)
  • Die Handelsgebühren werden sehr gering gehalten (kein ständiges Hin und Her, wodurch Transaktionskosten nicht in die Höhe getrieben werden)

Nachteile:

  • Man muss damit rechnen, früher oder später (in Krisenphasen) größere Kursrückschläge durchstehen zu müssen bevor es wieder aufwärts geht. Als Beispiel sei hier die Finanzkrise 2008 zu nennen. Man kann sich aber psychologisch (zumindest teilweise) darauf einstellen, um solche Durststrecken zu überwinden, ohne dass man vorher aus Angst auf den Verkaufsknopf drückt.
  • Gefahr von sturem Buy & Hold mit schlechten Aktien (gilt nicht bei einer ETF-Aktienanlage!): Wenn man sich zum Beispiel aus mangelndem Wissen schwache Aktien ins Depot holt und diese unabhängig vom anhaltend negativen Kursverlauf hält, besteht ein erhöhtes Risiko, erhebliche Verluste zu erleiden (Mein Tipp: Starke Aktien mit einer guten Buy-and-Hold-Strategie aussuchen). Diese Gefahr bei Nichtverkauf geht auch von Aktien aus, die zum Kaufzeitpunkt noch aussichtsreich schienen, aber wo sich irgendwann die Vorzeichen deutlich umgedreht haben (Mein Tipp: Trotz Buy-and-Hold-Ansatz sollte man sich nicht zu stur darauf versteifen und besonders schwache Aktien besser auch mal austauschen).
  • Wenn man Pech hat, erwischt man einen ungünstigen Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt. Dieses Risiko kann man mit einfachen Mitteln aushebeln bzw. deutlich reduzieren: Aktuell teure Aktien kann man etwa mit Hilfe der KGV-Kennzahl erkennen. Auch mit einem Wertpapier-Sparplan ist es möglich, schlechten Einstiegskursen ein Schnippchen zu schlagen (= Cost-Average-Effekt). Ungünstige Ausstiegszeitpunkte kann man etwa mit Verkäufen in Etappen entgegentreten (anstatt alles auf einmal zu veräußern).
  • Kein wirklicher Nachteil, aber ich führe es trotzdem hier auf: Für viele Anleger ist es schwer einige Jahre mit Geduld auf Gewinne zu warten, wie es beim Buy & Hold nötig ist. Zahlreichen Börseninteressierten ist das zu langweilig, sie wollen mehr und lieber schnelle und höhere Renditen einstreichen (= Gier / siehe Börsenpsychologie). Genau aufgrund dieser Einstellung machen aber Viele auf lange Sicht Verluste an der Börse. Diejenigen, die auch vom schnellen Reichtum träumen, sollten daran arbeiten, von ihren oft unrealistischen Vorstellungen Abstand zu nehmen und versuchen, rationaler zu denken.

Kaufen und Halten – Meine Meinung: Lohnt sich dieser bequeme Investment-Ansatz?

Ich selbst bin überzeugt von einer Buy & Hold-Strategie mit Aktien. Einige Experten empfinden Buy & Hold zwar inzwischen als unzeitgemäß aufgrund der starken Marktschwankungen, die in letzter Zeit an der Tagesordnung sind. Jedoch kann man das sicher nicht pauschalisieren.

Zum einen gibt es gute Möglichkeiten, um die Nachteile von Buy and Hold (siehe oben) abzumildern oder ganz aus dem Weg zu gehen.

Zum anderen ist Buy & Hold vor allem bei riskanteren und zyklischen Aktien nicht so gut geeignet (beim Kauf von Pennystock-Aktien ist es sogar sehr gefährlich!).

Deutlich besser eignen sich defensivere Aktien mit starker Marktstellung, die weniger schwankungsanfällig sind. Oder man betreibt Buy & Hold einfach mit Indexfonds bzw. ETFs zu großen Indizes (= passives Investieren).

Der in den letzten Jahrzehnten trotz zwischenzeitlicher Rückschläge immer weiter gestiegene Gesamtmarkt (= DAX, Dow Jones & Co.) hat jedenfalls gezeigt, dass sinnvolles Buy & Hold einer der besten und einfachsten Investmentwege ist, um ohne Stress und ohne großen Aufwand attraktive Renditen einzufahren. Keiner kann natürlich für die Zukunft zu 100% garantieren, dass das so bleibt. Aber die Chancen dafür stehen aufgrund der zurückliegenden Kursentwicklungen sehr gut.

Was übrigens absolut nicht empfehlenswert ist: Aus dem Bauch heraus irgendwelche Aktien kaufen, die einem gerade gefallen, und diese Aktien im Depot lange liegenlassen (so eine Vorgehensweise ohne eine gute Stock-Picking-Strategie zur Aktienauswahl geht oft nach hinten los und führt möglicherweise zu einer unbefriedigenden Rendite bzw. zu Verlusten).

Fazit: Richtig angewendet ist Buy and Hold eine vernünftige Sache. Wenn man mit ausgesuchten starken Qualitätsaktien und/oder großen Indizes Buy & Hold betreibt, stehen die Chancen sehr gut, an der Börse langfristig erfolgreich zu sein.