Einzelne Aktien oder ETF-Anlage? Aktiv vs. passiv Investieren

Wer als Anfänger in den Aktienmarkt einsteigen will, stellt sich häufig früher oder später folgende Frage: Soll ich mein Geld lieber aktiv in einzelne Aktien investieren oder stattdessen besser die passive ETF-Anlage bevorzugen?

Ich habe in diesem Artikel einige Vorteile und Nachteile zu jeder Anlage-Option zusammengetragen, damit sich unschlüssige Investoren ein besseres Bild machen können:

Showdown: Einzelne Aktien oder ETF-Aktienfonds? Vor- und Nachteile im Überblick

11 Vorteile von Aktien bzw. Nachteile von ETFs:

  • Aktien sind günstiger als ETFs von den Gebühren her, da bei Exchange-Traded-Funds jährliche Verwaltungsgebühren anfallen, was sich auf Dauer schon summiert (ca. 0,5% im Schnitt von der gesamten Anlagesumme; je nach ETF fallen mal mehr oder weniger Kosten an). Bei Aktien muss man dagegen nur beim Kauf bzw. Verkauf Broker-Handelsgebühren bezahlen, jährliche Kosten gibt es hier nicht. Insbesondere bei einer langfristigen Aktienanlage spielt sich dieser Vorteil aus (kein ständiges Kaufen und Verkaufen).
  • Man ist bei einzelnen Aktien direkt als Aktionär am Unternehmen beteiligt. Es ist kein ETF-Anbieter bzw. Finanzprodukt dazwischen. ETFs haben zudem lange AGBs, wo sich auch die Bedingungen ändern können (Fondsdomizil, TER, ETF-Ausschüttungsart etc.). Bei Aktien ist das nicht der Fall, sie sind im Gegensatz zu ETFs transparenter (keine AGBs). Da weiß man genauer, was man kauft.
  • ETFs können unter Umständen aufgelöst werden (insbesondere bei geringer Fondsgröße). Bei Aktien passiert das nur selten (etwa bei Insolvenzen oder Übernahmen).
  • Viele Privatanleger haben ein besseres Gefühl wenn sie direkt in Aktien investiert sind und nicht wie bei ETFs in ein von Fondsgesellschaften aufgesetztes Finanzprodukt. Zumal die Fondsgesellschaften durch den ETF-Boom in den letzten Jahren immer mehr Macht erlangt haben, was durchaus diskussionswürdig ist (siehe dazu zum Beispiel diesen lesenswerten Artikel auf welt.de).
  • ETF-Fonds sind ziemlich sicher, dennoch gibt es hier diverse Risiken, die man kennen sollte (allen voran durch Wertpapierleihen und synthetische ETFs; hier mehr Infos über ETF-Risiken). Zudem wird diskutiert, ob ETFs bzw. die Fondsgesellschaften dahinter eventuell eine Gefahr für die Wirtschaft darstellen (mehr zu dieser Thematik in diesem Artikel).
  • Bei Einzelaktien kann man selbst die Aktien auswählen, die man im Depot haben möchte (= in der Fachsprache „Stock-Picking“; hier erkläre ich den Begriff genauer). Bei ETFs ist man bei der Auswahl auf die ETF-Aktienpakete angewiesen, die es auf dem Markt gibt. Beispiel: Bei einem DAX-ETF muss man zwangsläufig auch in zuletzt sehr schlecht gelaufene Aktien wie eon, RWE, Deutsche Bank oder Commerzbank investieren (Kursstand: Mitte 2016).
  • Bei einzelnen Aktien weiß man genau, in welche Aktien man investiert ist (man hat die Werte selbst ausgewählt und gekauft). Bei einem ETF kauft man meist ein großes Paket von Aktien, die man teilweise gar nicht oder kaum kennt.
  • Mit normalen Indexfonds-ETFs ist keine Outperformance zum Gesamtmarkt möglich (= besser abschneiden), mit Aktien hat man dagegen die Chance DAX, Dow Jones und Co. zu schlagen
  • Mit Einzelinvestments ist man flexibler als bei ETFs: Man kann nach Belieben bestimmte Aktien kaufen oder verkaufen. Bei ETFs ist man an die entsprechende Fonds-Zusammenstellung gebunden.
  • Bei „Buy and Hold“ (was ist das?) ist der Aufwand eines langfristigen Aktienportfolios geringer als Viele denken. Vor allem am Anfang ist etwas Zeit nötig, um sich mit Hilfe einer guten Aktien-Strategie ein starkes Depot zusammenzustellen. Danach heißt es im Grunde fast nur noch: Aktien im Depot liegenlassen und warten.
  • Es ist spannender die Entwicklung eines selbst zusammengestelltes Aktiendepots zu verfolgen (bei normalen ETFs weiß man im Voraus, dass der Gesamtmarkt nachgebildet wird).

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6 Nachteile von Aktien bzw. Vorteile von ETFs:

  • Höherer Aufwand bei der Auswahl einzelner Aktien: Man muss selbst Aktien analysieren und aussuchen. Bei einem kurz- oder mittelfristigen Anlagehorizont muss man auch deutlich mehr Zeit investieren als bei einem ETF-Investment (regelmäßig Aktien untersuchen, Kurse und Märkte beobachten, Käufe bzw. Verkäufe durchführen etc.).
  • Automatische und meist hohe Diversifizierung bei ETFs: Hier ist man auf einen Schlag in viele Aktien investiert (teilweise mehrere Hundert Werte). Dadurch wird auch das Gesamtrisiko auf zahlreiche Aktien verteilt. Bei einem Depot mit Einzelaktien ist das schwerer zu erreichen.
  • Im Gegensatz zu einer ETF-Anlage ist bei einer Einzelaktiensuche mehr Wissen nötig, um aussichtsreiche Aktien auszuwählen. Insbesondere Anfänger müssen besonders aufpassen, dass Sie keine schlechten Aktien kaufen (Pennystocks etc.).
  • Bei der aktiven Aktienanlage besteht das nicht zu unterschätzende Risiko, dass man (deutlich) schlechter abschneidet als der Gesamtmarkt. Die Gefahr ist vor allem dann groß wenn man keine gute Aktienstrategie hat. Bei ETFs weiß man dagegen, dass sich ein ETF so entwickelt wie der Index, der nachgebildet wird.
  • Bei Aktien ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass man sich mehr Gedanken über das Depot macht, da man mehr Einfluss ausüben und einzelne Werte kaufen und verkaufen kann (Beispiele für häufige Gedankenspiele bei Anlegern: Soll ich Aktie X kaufen? Soll ich dafür Aktie Y besser verkaufen? usw.). Gerade Anleger, die keine klare und durchdachte Aktienstrategie anwenden bzw. diese nicht voll durchziehen, sind hier für unsichere Überlegungen anfällig. Auch eventuelle falsche Handelsentscheidungen aus plötzlichen Emotionen heraus drohen vor allem bei unsicheren Aktionären mit einem Einzelwertedepot (Stichwort: Börsenpsychologie).
  • Mit ETFs kann man über ETF-Sparpläne einfacher kleine Summen in viele Aktien auf einmal investieren. Es gibt zwar auch Aktien-Sparpläne, etwa bei der ING-DiBa (da bin ich auch), aber hier kann man immer nur eine Aktie besparen (es ist jedoch möglich, mit mehreren angelegten Aktien-Sparplänen mehrere Aktien gleichzeitig zu besparen).

Aktien oder ETFs? Aktiv vs. passiv Investieren – Fazit

Sowohl die Anlage in einzelne Aktien als auch Aktien-ETFs haben ihre unumstößlichen Vorteile. Daher muss sich letztendlich jeder Anleger die Pro- und Contra-Argumente durchlesen und für sich selbst entscheiden, ob er den aktiven oder passiven Investmentweg bevorzugt bzw. was am besten zum ihm passt.

Aber keine Sorge, man muss sich hier keinesfalls den Kopf zerbrechen wenn bei der Frage „ETF oder Aktien“ zwiegespalten ist: Man kann schließlich jederzeit wieder wechseln wenn man das Gefühl hat, dass der eingeschlagene Weg doch nicht zu einem passt.

Ansonsten hat man natürlich auch die Möglichkeit, beide Wege gleichzeitig ausprobieren oder auch auf Dauer zu gehen. Jeder wie er will :-).

Und falls es jemanden interessiert: ETFs finde ich zwar gut, aber ich persönlich bevorzuge den Kauf einzelner starker Aktien mit dem Ziel, diese möglichst lange zu halten (= langfristige Buy-and-Hold-Aktienstrategie).