ETF-Replikation: Was sind physisch replizierende und synthetische ETFs?

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei Exchange-Traded-Funds (Erklärung) ist die Art der ETF-Replikation. Was ist damit gemeint? Hierbei geht es darum, mit welchen Mitteln die Kursentwicklung eines Index nachgebildet wird.

Grundsätzlich gibt es 2 ETF-Replikationsmethoden. Ich stelle beide Arten vor und erkläre wo der Unterschied liegt.

1. Physische Replikation zur Indexabbildung: Was sind physisch replizierende ETFs?

Ein physisch replizierender ETF bildet einen Index „echt“ nach, indem er genau die Werte in der gleichen Gewichtung enthält, die auch im Index sind.

BEISPIEL:

Der Index XY enthält folgende Aktien (Höhe der Gewichtung in Klammern): Aktie A (35%), Aktie B (25%), Aktie C (25%), Aktie D (5%), Aktie E (5%) und Aktie F (5%).

Der ETF XY hat das Ziel, genau oder zumindest fast genau die Kursentwicklung zu erzielen wie der Index XY. Um das zu erreichen, kauft der Fondsanbieter des ETF XY exakt die gleichen Aktien in der gleichen Gewichtung ins Portfolio, wie sie im Index XY vorhanden sind. Daraus ergibt sich folgende identische Zusammenstellung: Aktie A (35%), Aktie B (25%), Aktie C (25%), Aktie D (5%), Aktie E (5%) und Aktie F (5%).

Auf diese Weise kann so ein vollständig replizierender ETF einen Index sehr genau nachbilden und so die gleichen Gewinne oder Verluste einfahren. Dadurch ist die Differenz der Kursentwicklung zwischen Index und ETF, in der Fachsprache auch „Tracking Error“ (Definition) genannt, sehr gering.

Etwas anders sieht es bei einer Unterart von physischen ETFs aus: Sampling-ETFs (auch „optimierte ETF-Replikation“ genannt). Dabei handelt es sich um nicht-vollständig replizierende ETFs. Hier werden demnach nur die wichtigsten Indextitel mit der größten Gewichtung gekauft. Und zwar die, welche den größten Einfluss auf die Indexkursentwicklung haben.

Um auf das obere Beispiel zurückzukommen: Ein Sampling-ETF zum Index XY könnte aus diesen Aktienpapieren bestehen: Aktie A (35%), Aktie B (25%) und Aktie C (25%).

Warum gibt es Sampling-ETFs? Mit dieser Replizierungsmethode kann der ETF-Anbieter Transaktionskosten sparen, da nicht so viele Werte gekauft werden müssen (gerade bei einem Index mit sehr vielen Aktien ist das von Vorteil). Dadurch ist der ETF normalerweise auch für die Anleger günstiger. Nachteil eines Sampling-ETFs ist, das der bereits erwähnte Tracking Error womöglich höher ist, weil nur die wichtigsten Indexwerte erworben werden.

Wie sicher sind physische ETFs?

Physische ETFs gelten als Sondervermögen. Das heißt: Wenn der ETF-Herausgeber insolvent wird, verlieren die ETF-Anleger nicht ihr Vermögen. Aber ein Kontrahentenrisiko kann entstehen wenn ein ETF-Emittent die im ETF enthaltenen Wertpapiere an andere Finanzpartner verleihen, um zusätzliche Erträge zu erwirtschaften. Das Risiko dieser „Wertpapierleihe“ ist für Anleger laut einiger Experten aber nicht sehr hoch. Trotzdem sollte es nicht unerwähnt bleiben.

2. Synthetische Replikation zur Indexabbildung: Was sind swap-basierte ETFs?

Bei synthetischen ETFs werden andere Mittel eingesetzt, um möglichst die gleiche Kursentwicklung zu erzielen wie ein bestimmter Index. Das bedeutet, dass sich in so einem künstlichen ETF in der Regel nicht die Werte befinden, die im Index sind, der abgebildet werden soll.

Stattdessen wird das Ganze mit einem sogenannten Swap-Tauschgeschäft erreicht (ein Swap ist ein Derivat). Das bedeutet, dass ganz andere Finanztitel in einem ETF sein können als im entsprechenden Index drin sind. Klingt kompliziert? Ist es irgendwie auch ;-).

Jedenfalls handelt ein synthetischer ETF einen Tausch (=Swap) mit einem anderen Finanzpartner aus. Das könnte beispielsweise so aussehen: Der ETF A bzw. die Fondsgesellschaft nimmt sich diverse Aktien oder andere Wertpapiere ins Depot, um eine gute Performance zu erzielen. Über ein Swap-Geschäft wird die Wertentwicklung dieses Depots dann einer anderen Bank B versprochen.

Im Gegenzug bekommt die Fondsgesellschaft von Bank B garantiert, dass ETF A die gleiche Kursentwicklung erreicht wie der gewünschte Index. Und zwar unabhängig davon, wie sich die tatsächlich in ETF A befindlichen Wertpapiere entwickeln werden. Die Folge: Mal macht der eine Gewinn und der andere Verlust (und umgekehrt). Die Kursentwicklungsdifferenzen werden durch Ausgleichszahlungen beglichen. Bei Swaps werden also im Grunde Wertentwicklungen getauscht, die in Zukunft passieren.

Fakt ist, dass dieser Index-Nachbildungsweg einfacher und kostengünstiger für die ETF-Herausgeber ist. Folglich müssen die Anleger für einen swap-basierten ETF meist weniger Gebührenkosten bezahlen.

Wie sicher sind künstliche ETFs?

Auch synthetisch replizierende ETFs gehören zum Sondervermögen und unterliegen in der Folge keinem Emittentenrisiko. Aber was ist wenn der Swap-Partner Pleite geht? Dieses Risiko ist dadurch abgesichert, dass gesetzlich mindestens 90% vom Wert eines ETFs mit Sicherheiten, zum Beispiel andere Wertpapiere, hinterlegt sein muss. So reduziert sich das Verlustrisiko eines Swap-ETFs auf 10%.

ETF Physisch & ETF Synthetisch: Welche Replikationsart ist zu bevorzugen?

ETF-Swap oder physisch replizierende ETF? Wer sich für eine ETF-Geldanlage interessiert, stellt sich früher oder später diese Frage. Und jeder Anleger muss sich selbst überlegen, mit welcher der beiden ETF-Replikationsmethoden er sich wohler fühlt:

  • Der eine Anleger bevorzugt es wenn der gewünschte ETF „echt“ ist und somit auch tatsächlich die Finanzwerte darin enthalten sind, die dem nachzubildenden Index angehören. Dafür muss man halt meist etwas höhere ETF-Gebühren in Kauf nehmen.
  • Andere Anleger wählen den künstlichen und damit unechten Weg der ETF-Indexabbildung. Etwa, weil es ihnen egal ist, auf welche Weise der jeweilige Index kopiert wird und weil ein synthetischer ETF oft günstiger ist (niedrigere TER bzw. Gesamtkostenquote).

HINWEIS: ETFs und normale Investmentfonds unterscheiden sich auch hinsichtlich der Art der Fonds-Ausschüttung. Es gibt nämlich ausschüttende und thesaurierende Fonds (hier erkläre ich den Unterschied).

Weiteres Fondswissen: