Finanzkrise einfach erklärt

Die Finanzkrise ist auch heute, Stand 2014, immer noch nicht ausgestanden. Aber wie entstand damals überhaupt die Finanzkrise? Viele stellen sich diese Frage und suchen nach verständlichen Hintergründen. Ich habe im folgenden Artikel versucht, das Ganze mal möglichst einfach erklären (ohne dabei aber zu sehr ins Detail zu gehen, damit man es leichter versteht).

Einfache Erklärung: Wie kam es in 2008 zur Finanzkrise?

Um die Finanzkrise nachzuvollziehen, muss man erst mal zurück zur US-Immobilienkrise gehen, die kurz vor der Finanzkrise ausbrach (man könnte auch noch weiter zurückgehen, aber ich will, dass meine Erklärung nicht zu unübersichtlich wird).

Vor der Immobilienkrise wurden in den USA Kredite zum Hauskauf an Menschen vergeben, die sich eigentlich kein Haus leisten konnten (sogenannte Subprime-Kredite). Das Modell war deshalb attraktiv für die Kreditnehmer, weil die Zinsen in den ersten Jahren niedrig waren und erst mit der Zeit anstiegen. Damit die Banken die Häuser bauen konnten, haben sie sich wiederum bei anderen Banken Geld geliehen. Dadurch haben sich die Subprime-Kredite mehr oder weniger im gesamten Bankenwesen ausgebreitet.

Auf diese Weise sammelte sich nach und nach eine ungeheure Kreditsumme an (um die 11 Billionen US-Dollar!). Mit den Zinszahlungen haben die Banken anfangs viel Geld verdient. Aber das war ihnen nicht genug. Sie wurden gierig und wollten mit den vergebenen Krediten noch mehr verdienen. Zudem wollten sie das Risiko, dass die Zinsen vielleicht nicht mehr gezahlt werden können, auf Andere abwälzen.

Daher haben sie mit den Subprime-Krediten gezockt. Aber wie? Sie haben daraus Immobilien-Derivate gemacht und an andere Banken verkauft (Definition: Was versteht man unter einem Derivat?). Die Käufer der derivativen Subprime-Finanzprodukte haben dann auch wieder damit gehandelt und so weiter. Auf der ganzen Welt wurde damit gezockt. Kaum einer hat jedoch diese kompliziert aufgebauten Derivate verstanden und vor allem nicht realisiert, wie riskant diese Anlagen waren.

Man vertraute hier auf die Ratingagenturen (wer ist das?). Diese bewerten Geldanlagen und bescheinigten diesen Subprime-Derivaten oftmals eine hohe Sicherheit (wohl aus dem Grund, weil Immobilienanlagen im Grunde als sehr sicher gelten).

Das Subprime-Gezocke ging ein paar Jahre gut. Viele Banken haben damit gutes Geld verdient. Aber irgendwann konnten immer mehr US-Häuslebauer ihre Zinsen nicht mehr bezahlen (wie ich einige Absätze zuvor geschrieben habe, sind diese ja mit der Zeit angestiegen).

Die Folge: Viele mussten ihr zuhause aufgeben und waren über beide Ohren verschuldet. Die zahlreichen leeren Häuser gehörten jetzt den Banken. Es konnten aber kaum neue Käufer für die Häuser gefunden werden. Dadurch fielen die Preise immer weiter und es kam zu einer Immobilienkrise (die dann direkt zur Finanzkrise führte).

Die Banken kamen jetzt immer mehr in Schwierigkeiten. Hohe Summen an Zinszahlungen fielen aus und man konnte diesen Umstand nicht mehr durch Hausverkäufe ausgleichen. Viele Banken konnten jetzt selbst ihre Schulden nicht mehr begleichen. Zudem verloren im Zuge dessen die Subprime-Derivate, mit denen ja weltweit gehandelt wurde, plötzlich drastisch an Wert. Keiner wollte diese faulen Finanzprodukte mehr kaufen.

Die Subprimekrise breitete sich wie ein Virus im Finanzwesen aus. Einige Banken waren in diesem Strudel so stark verwickelt, dass sie pleitegingen. Und weil die Banken ein enorm wichtiger Faktor für eine funktionierende Weltwirtschaft sind, war bzw. ist die Finanzkrise auch so gefährlich.

Die Staaten, Banken und Notenbanken haben in den letzten Jahren einiges versucht, um die Finanzkrise zu bekämpfen (ein Großteil der faulen Subprime-Derivate wurde etwa damals von der US-Regierung aufgekauft). Teilweise scheint das auch gelungen. Zumindest zeitweise. Denn die Lage hat sich inzwischen mehr oder weniger beruhigt (auch bezüglich der Eurokrise 2011).

Aber wirklich ausgestanden ist das Ganze noch nicht. Man hat irgendwie das Gefühl, dass die Krise jederzeit wieder ausbrechen könnte. Mir geht es jedenfalls so. Bedenklich ist meiner Meinung nach vor allem, dass billiges Geld bzw. sehr niedrige Leitzinsen immer noch das Hauptbekämpfungsmittel gegen die Krise zu sein scheint. Gerade diese Vorgehensweise weckt bei mir ein mulmiges Gefühl. Denn billiges Geld war schließlich einer der Mitauslöser für die Krise.

Fazit: Das Vergeben der Subprime-Kredite und das Gezocke damit waren somit eine der entscheidenden Knackpunkte, die die weltweite Finanzkrise auslösten. Die Finanzkrise völlig zu verstehen, ist nahezu unmöglich. Die Zusammenhänge sind einfach derart komplex und schwer durchschaubar. Trotzdem hoffe ich, dass meine (hoffentlich einfache) Erklärung ein wenig Licht ins Dunkel gebracht hat. Es ist jedenfalls ganz schön erschreckend, wie es zu dieser weltweiten Finanzkatastrophe kommen konnte. Im Prinzip war es in meinen Augen allen voran Geldgier, die den Kollaps ins Rollen brachte.

Weitere Erklärungen und Hintergründe: Interessante Bücher und Filme zur Finanzkrise

Bücher:

Filme:

Es gibt übrigens einige spannende und gut gemachte Filme zur Finanz- und Immobilienkrise (sowohl Dokumentationen als auch Hollywood-Spielfilme). Vor allem diese kann ich empfehlen:

  • Der große Crash – Margin Call (als DVD oder Blu-Ray)
  • Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte (als DVD und Blu-Ray)

Wer sich also für die Thematik interessiert, dem kann ich diese Filme ans Herz legen. Ich habe sie natürlich selbst in meinem Filmregal stehen ;-). Meine Börsenfilm-Übersicht finden Sie übrigens hier.